AMREKO
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Literatur und soziales Engagement

 

Sexueller Missbrauch bezeichnet sexuelle Handlungen mit Minderjährigen oder erwachsenen, besonders gefährdeten Personen (z. B. Kranke, Behinderte, Hilfsbedürftige, Gefangene, Patientinnen bzw. Patienten, die sich in Psychotherapie befinden), die generell oder unter bestimmten Umständen (siehe unten) auch mit Einverständnis des Betroffenen als Vergehen oder Verbrechen strafbar sind. Vor allem der schwere sexuelle Missbrauch von Kindern und der sexuelle Missbrauch von Kindern mit Todesfolge werden in Deutschland als Verbrechen eingestuft. (Wikipedia)


Das Mädchen Poppy

Kindesmissbrauch erschüttert und macht betroffen. Mehr als 300.000 Kinder werden in Deutschland jährlich missbraucht. Sexueller Missbrauch bedeutet, dass ein Erwachsener oder Jugendlicher seine Position der Macht, seine geistige und körperliche Überlegenheit, das Ver­trauen und die Unwissenheit eines Kindes dazu benutzt, seine eigenen sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen.

Poppy hat mir ihre Geschichte erzählt, als sie bereits erwach­sen war, und als Autorin wusste ich, dass ich sie eines Tages schreiben werde.

Wir kennen uns seit Kindheitstagen. Als Siebenjährige habe ich mich oft gefragt, warum sie so komisch war, warum sie nicht mit mir spielen durfte, warum ich das Haus (die Villa) nicht betreten durfte. Heute kenne ich den Grund.

Kinder spüren, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Ich erinnere mich an das merkwürdige Gefühl, das mich befiel, als ich sie zum Spielen abholen wollte, und ihr Stiefvater mir sagte, dass Poppy keine Zeit hätte. Sie stand im ersten Stock am Fenster und sah mich mit flehendem Blick an. Ich werde diesen Blick niemals vergessen.

Die Palette der möglichen Anzeichen für sexuellen Missbrauch ist groß und unspezifisch, sodass es meist schwierig ist, Hin­weise richtig zu deuten. Eine Verhaltensänderung tritt jedoch bei fast allen missbrauchten Kindern auf. So auch bei Poppy. Sie schwieg – aus Schamgefühl, und weil der Stiefvater damit drohte, sie und ihre Mutter aus dem Haus zu werfen. Poppy war sein Liebling, er war ihr Geheimnis, doch irgendwann wurde das Geheimnis zu groß.

Poppy hatte stets Angst, dass ihr niemand glauben würde. Deshalb hat sie geschwiegen. Irgendwann zog sie sich immer mehr zurück, reagierte ab­weisend.  Nur in der Schule war sie das humorvolle Mädchen, das ich kannte. Die Schule war für sie eine Art Zufluchtsort. 

Poppys Mutter maß in ihrer dummen Arglosigkeit den typischen Verletzungen nach sexueller Gewalteinwirkung und den Verhaltensänderungen der Tochter wenig Bedeutung bei. Sie ging lieber shoppen. 

Ich habe viele Gespräche mit Poppy geführt und mein damaliges Bauchgefühl hat mich nicht getäuscht. Instinktiv habe ich geahnt, dass da etwas gewaltig faul war. Ich fühle mich schuldig, weil ich meinen Eltern niemals davon erzählt habe.